Kosmosklang
Pina Bettina Rücker

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LERCHENFENSTER @Brehmhaus Renthendorf

23.8. Eröffnung Gruppenaustellung "Lerchenfenster". Mitwirkung "flugwesen"

LERCHENFENSTER - künstlerisches Interim im Brehm - Haus
Eine Ausstellung zu Vögeln, Menschen und Umwelt, gestaltet von Künstler*innen und der Gruppe „Brehms Naturkinder“ - für Kinder und Erwachsene.
In der Ausstellung Lerchenfenster treffen sich für vier Monate künstlerische Positionen zum Verhältnis von Vögeln, Menschen und Umwelt in einer generationsübergreifenden Kollaboration. Maix Mayer und eine Gruppe junger und etablierter Künstler*innen aus Berlin und Leipzig zeigen zusammen mit Werken der Gruppe „Brehms Naturkinder“ im Brehm-Museum Annäherungen und Befragungen zum Zustand der Natur. Die Leipziger Klangkünstlerin Pina Rücker hat die Künstler*innen eingeladen, ausgehend von Alfred und Christian Brehm´s Schaffen, künstlerische Perspektiven zu entwickeln und zu zeigen, die einladen aus der Gegenwart in die Vergangenheit und Zukunft von Vögeln und Menschen zu blicken, hören, denken und fühlen. Die künstlerischen Arbeiten, Video- und Klanginstallationen sind in allen Räumen des neuen Brehm-Museums bis zum Dezember 2019 zu sehen.
Maix Mayer, Marcus Held, Patrick Franke, Jessica Zaydan, Janosch Becker, Pina Rücker

 

PINA RÜCKER: FLUGWESEN (wunderkammer) Die Klanginstallation ist dem „Vogelpfarrer“ C.L. Brehm gewidmet und inspiriert vom Ornithologen Robert Gerber (1872-1974), dessen Buch ‚Gefiederte Sänger’ im Besitz ihres Großvaters war. Heute vermisst sie das Trillern der  Lerchen neben seinem Landhaus. Gerber beklagt schon 1953 das Verschwinden der Lerche durch die damals industriell sich entwickelnde Agrarwirtschaft.

Musikalisches Material für die Installation ist der Kirchenchoral „In Dich hab ich gehoffet Herr“ von 1532, der im Angesicht höchster Not  (im 30jährigen Krieg) Hoffnung auf Hilfe durch Gott in verschiedenen inhaltlichen Varianten thematisiert. Heute sind in Zeiten der ökologischen Hoffnungslosigkeit DER GLAUBE AN DIE ZUKUNFT oder DER GLAUBE AN DIE TECHNOLOGISCHEN ENTWICKLUNGEN als Surrogat geblieben. Die aufgenommenen Klänge entstanden mithilfe von Quarztiegeln, in denen eigentlich Siliziumkristalle für die Halbleiterindustrie gezüchtet werden. Indem sie in diesen  „Zuchtstationen für  Zukunft“ musikalisch historisches Artefakt musiziert, öffnen sich in ihrer Arbeit Vergangenheit und Zukunft gleichzeitig und verschränken sich meditativ in der Wahrnehmung einer gedehnten Gegenwart. Dargeboten werden die Klänge mittels Schallplatte, ein Medium, das seinen Selbstzerstörungsmechanismus durch Abnutzung bereits in sich trägt.  Es erklingen die Strophen 1-5 aus dem evangelischen Kirchengesangbuch Nr. 179.

1. In dich hab ich gehoffet, Herr;
hilf, dass ich nicht zuschanden werd
noch ewiglich zu Spotte.
Das bitt ich dich:
erhalte mich
in deiner Treu, mein Gotte.

2. Dein gnädig Ohr neig her zu mir,
erhör mein Bitt, tu dich herfür,
eil, bald mich zu erretten.
In Angst und Weh
ich lieg und steh;
hilf mir in meinen Nöten.

3. Mein Gott und Schirmer, steh mir bei;
sei mir ein Burg, darin ich frei
und ritterlich mög streiten,
ob mich gar sehr
der Feinde Heer
anficht auf beiden Seiten.

4. Du bist mein Stärk, mein Fels, mein Hort,
mein Schild, mein Kraft – sagt mir dein Wort –,
mein Hilf, mein Heil, mein Leben,
mein starker Gott
in aller Not;
wer mag mir widerstreben?

5. Mir hat die Welt trüglich gericht’
mit Lügen und falschem Gedicht
viel Netz und heimlich Stricke;
Herr, nimm mein wahr
in dieser G’fahr,
b’hüt mich vor falscher Tücke.

Das mehrteilige Projekt „Wunderkammer 4.0“ ist in Anlehnung an das historische Raumkunstwerk ein erfahrbarer geistiger Raum, dessen Inhalte mit Objekten einer als dystopisch wahrgenommenen Realität angefüllt werden - um diese neu geordnete Verbindung in einen utopischen Bezug zu setzen. Das chaotische ‚unwissenschaftliche’ Prinzip der Wunderkammern bietet die Möglichkeit von Disruption als Basis für Neuordnung. Eine semantische Umdeutung des Raumes durch ein Nach-Innen-Wenden mithilfe von Klängen wird versucht. Wunderkammer 4.0 soll die Beziehung des menschlichen In-der-Welt-Seins hinterfragen: Hat die bisher vorgenommene äußerlich-sinnliche Wahrnehmung von Natur durch den Menschen in die sich andeutende Katastrophe der Biotope geführt? Kann eine Wendung in innere Räume eine neue Vorstellung von Welt erzeugen, indem die Grenzen von Innen und Außen absichtsvoll durchdrungen werden? Gegenstand der historischen Wunderkammern sind zahlreiche spektakuläre und spekulative Objekte aus den damals eroberten fremden Welten, mythologische / wundersame Gegenstände und antike Artefakte. Im Kern wird das Staunen darüber beschreiben und auch im Wunder die anschauliche Vielfalt der Schöpfung gezeigt. Wunderkammer 4.0 fragt nun, ob und mit welchen Mitteln sich ein neuer Bezug zur Welt via Innenschau ermöglichen lässt.

Pina Rücker 2019

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