Kosmosklang
Pina Bettina Rücker

Quarzglasschalen/Kristallschalen als Instrument

Quarzglasschalen oder - eben romantischer - Kristallklangschalen bestehen zu 99,9% aus reinem Quarzsand (Siliziumdioxid), chemisch identisch mit Bergkristall, jedoch ohne Kristallstruktur. Dieser wird auf über 3000 Grad Celsius erhitzt und dann durch Zentrifugieren in seine Form gebracht. Die so entstandenen Schalen werden vorrangig genutzt, um darin mithilfe eines Starterkristalls Silizium-KristalleSchichten für die Halbleiterindustrie zu züchten (Granulat wird in den Schalen geschmolzen und dann in Kristallform gebracht: Czrochalski-Verfahren). Sie auch werden zur Herstellung von Legierungen und auch bei experimentellen Brennvorgängen genutzt. Erst Ende des letzten Jahrhunderts wurden sie in den USA als Klangwerkzeuge entdeckt.

Seit der Entstehung der Halbleiterindustrie sind Quarzkristallschichten, entstanden in sog. KRISTALLklangschalen durch ihre technologische Nutzung in Chips, Wafern etc. zur Funktionsgrundlage des elektronisch basierten Lebens geworden, ich nenne sie daher (klingende) "Schmelztiegel für die digitale Zukunft".

Die Schwingungswirkung mit ihren außergewöhnlichen Raumklangverhalten, das auch meßbar die Klangbewegung verändert, beruht auf der Anordnung der Moleküle durch "Sintern" bei der Herstellung und durch die 2-schichtige Innen-/Außenwand Konstruktion (opake Außenzone und transparente Innenzone), die HIER im Patent beschrieben ist.

https://www.bergedorfer-zeitung.de/archiv/geesthacht/article112583105/Grosse-Quarztiegel-sind-ihre-Staerke.html Wissenschaftlicher: https://patents.google.com/patent/DE19962449C2/de Zum Verfahren selber: http://www.geo.tu-freiberg.de/Hauptseminar/2009/Susanne_Paskoff.pdf

Durch Anreiben der Schalen mit einem Klöppel entstehen außerordentlich reine Sinustöne, die so von keinem anderen natürlichen Instrument erzeugt werden. Diese Klänge wandern und überlagern sich, werden moduliert, die Amplitude ändert sich und die Phasen verschieben sich. Wellen entstehen, breiten sich aus und werden reflektiert. Der Schall bildet den Raum mit allen Eigenheiten ab und jede Stelle hat ihren eigenen spezifischen Sound, Interferenzen, Überlagerungen oder Auslöschungen.

Im Klang der Quarz-/Kristallschalen sind zwei Obertöne enthalten, alles weitere ist Abbildung des Raumes im Klang. Ein Phänomen, das bei synthetisch erzeugten Sinustönen so nicht auftaucht. Sekundäre Klangerscheinungen wie das Hören von Differenztönen, Partialtönen bzw. Schwebungen begleiten das Klangerleben.

Und so wie Wasser in den Schalen anfängt, einen Springbrunnen zu erzeugen, wenn sie angerieben werden – so wird auch das Wasser in unserem Körper in Schwingung gebracht, denn er besteht bis zu 70 Prozent aus Wasser, die Knochen aus 20 Prozent Wasser, Blut zu 90 Prozent. Klangschwingungen haben daher naturgemäß auch eine Wirkung auf die mit Wasser angereicherten Zellen, gut erkennbar in allen Varianten der Cymatics. Die Möglichkeit, Frequenzen körperlich spürbar zu machen, hat gewöhnlich nur der Parameter Lautstärke. Die Quarzglasschalen bieten mit ihren ungewöhnlichen und faszinierenden Sounds ein absolut neues und einmaliges Klang-Raum-Körper-Wirklichkeitserleben.

Quarzmusik-Kristallschalen sind das langsamste Musikinstrument der Welt. Sie verlangen vom Spieler und Hörer ein Höchstmaß an Hingabe - in den Klang, in den Augenblick, in das Werden und Vergehen von Beidem. Sie verlassen mit ihrem außergewöhnlichen Sound die normalen Hörgewohnheiten und erschließen eine neue akustische und musikalische Welt. Anfangs auftauchende Hör-Halluzinationen, bei denen Einzeltöne und ganze Sounds im Ohr abgebildet werden, die so gar nicht erklingen ("Engelschöre",  Geigen, Flöten, Orchesterklänge etc.) zeigen die Adaptionsprobleme unseres Gehirns, die Klänge mit vorhandenen Informationen aus dem Hör-Gedächtnis zu "erklären" oder rational abzubilden.

 

 

Die Reihe Solo + Gäste "wunderkammer" versucht, verschiedene Dimensionen von Zeit musikalisch zu erfassen.  ZEITKRISTALL (wunderkammer) wird hörbarer Kristallisationspunkt von vier Zeitformen: Im Kern der Arbeit befinden sich analoge Klänge aus dem Material Siliziumdioxid, die auf verschiedene musikalische Denkmale/Artefakte (Melodien) des europäischen Mittelalters bis zur Renaissance (Blütezeit wunderkammer) zugreifen. Diese werden verwendet als Kontaktaufnahme zur geschichtlichen (linearen) Wahrnehmung von Zeit verwendet; die Volkslieder und Stücke der Gregorianik sind geographisch (räumlich) in Europa verwurzelt. Klang wird hier selbst Erinnerungsbild, Kontakt entsteht zur kulturellen Tiefenschicht, die Koexistenz von Vergangenheit und Zukunft in Klang und Material verschmilzt in gehört-erlebter Gegenwart. Diese Melodien werden durch durch die besondere Schwingungsart der Klänge unter die Zeitlupe gehalten - es entstehen in der Aufnahme mikroskopische mikrotonale Raum-Klang-Bewegungen innerhalb der Melodien: eigene Klangräume hinter den Linien. Zeit wird so erfasst als historischer Raum und in der Gegenwart des Hörens als sich dehnender melodischer Raum, in dem wiederum eigene Räume innerhalb einer melodischen Linie entstehen - ein zusätzlicher RaumZeitAspekt entsteht und wird akustisch abbildbar. Die Klänge sind Interface zum molekularen Reich von Sand und Wasser sowie zeitliche Kernschmelze von historischem Klang-Artefakt und Zukunftstechnologie. Eine Zeitreise im mehrfacher Hinsicht entsteht, die Klangobjekte sind Schmelzraum und Zuchtstation für Zukunftzeit.

 

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