Kosmosklang
Pina Bettina Rücker

Kristallklangschalen

Quarzglasschalen oder - eben romantischer - Kristallklangschalen bestehen zu 99,9% aus reinem Quarzsand (Siliziumdioxid), chemisch identisch mit Bergkristall, jedoch ohne Kristallstruktur. Dieser wird auf über 3000 Grad Celsius erhitzt und dann durch Zentrifugieren in seine Form gebracht. Die so entstandenen Schalen werden vorrangig genutzt, um darin mithilfe eines Starterkristalls Silizium-Kristalle für die Halbleiterindustrie zu züchten ( so genannte Wafer, Czrochalski-Verfahren), sie auch werden zur Herstellung von Legierungen und auch bei experimentellen Brennvorgängen genutzt. (MEHR HIER) Erst Ende des letzten Jahrhunderts wurden sie in den USA als Klangwerkzeuge entdeckt.

Seit der Entstehung der Halbleiterindustrie sind Quarzkristalle durch ihre technologische Nutzung in Computer, Telefon etc. zur Funktionsgrundlage und ständigem Begleiter des modernen Menschen geworden. Viele Menschen entdeckten in den vergangenen Jahren die große energetische Kraft des Bergkristalls. Nun werden Gegenstände aus Siliziumdioxid auch als Musikinstrumente erkundet: Es gibt Didgeridoos, Harfen, klingende Pyramiden, Stimmgabeln und die Kristall-Schalen.

Durch Reiben der Schalen mit einem Klöppel entstehen außerordentlich reine Sinustöne, die so von keinem anderen natürlichen Instrument erzeugt werden. Diese Klänge wandern und überlagern sich, werden moduliert, die Amplitude ändert sich und die Phasen verschieben sich. Wellen entstehen, breiten sich aus und werden reflektiert. Der Schall der Schalen bildet den Raum und sein Inventar mit allen Eigenheiten ab und jede Stelle hat ihren eigenen, spezifischen Sound. Mal lauter, mal leiser, mit Überlagerungen oder Auslöschungen. Die Schwingungen haben unterschiedlich starke Energien und der Raum wird über den Klang erfahrbar.

Im Klang der Kristallschalen sind zwei Obertöne enthalten, alles weitere ist Abbildung des Raumes im Klang. Ein Phänomen, das bei synthetisch erzeugten Sinustönen so nicht auftaucht. Sekundäre Klangerscheinungen wie das Hören von Differenztönen, Partialtönen bzw. Schwebungen begleiten das Erleben von Kristallklängen. Und so wie das Wasser in den Kristallklangschalen anfängt, einen Springbrunnen zu erzeugen, wenn sie durch Reiben zum Klingen gebracht werden – so wird auch das Wasser in unserem Körper in Schwingung gebracht, wenn die Schalen tönen. Der menschliche Körper besteht bis zu 70 Prozent aus Wasser, die Knochen aus 20 Prozent Wasser, Blut zu 90 Prozent. Klangschwingungen haben eine Wirkung auf die mit Wasser angereicherten Zellen, womit sich unter anderem erklärt, dass viele Heiler und Therapeuten auch gezielt mit Klängen arbeiten.

Kristallschalen sind das langsamste Musikinstrument der Welt. Sie verlangen vom Spieler und vom Hörer ein Höchstmaß an Hingabe - in den Klang, in den Augenblick, in das Werden und Vergehen von Beidem. Sie verlassen mit ihrem außergewöhnlichen Sound immer die normalen Hörgewohnheiten. Hier betritt ein Jeder absolutes Neuland, egal ob musikalisch gebildet oder nicht. Kristallklangschalen erschließen eine neue akustische und musikalische Welt. Anfangs auftauchende Hör-Halluzinationen, bei denen Einzeltöne und ganze Sounds im Ohr abgebildet werden, die so gar nicht erklingen (Engelschöre, Geigen, Flöten, Orchesterklänge etc.) zeigen die "Unfähigkeit" (Adaptionsprobleme) unseres Gehirns, die Klänge mit vorhandenen Informationen aus dem Hör-Gedächtnis zu "erklären" oder rational abzubilden. Die Möglichkeit, Frequenzüberlagerungen und Klänge körperlich spürbar zu machen, hat gewöhnlich nur der Parameter Lautstärke - die Kristallklangschalen bieten mit ihren ungewöhnlichen und faszinierenden Sounds ein einmaliges Klang-Raum-Körper-Wirklichkeitserleben.

 

 

 

 

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